ETF-Portfolio aufbauen: Wie viele ETFs brauchst du?
Ein ETF oder fünf? Welche Aufteilung sinnvoll ist, welche Portfolios beliebt sind und wann mehr Komplexität schadet.
Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2026
1. Das 1-ETF-Portfolio
Für die meisten Anleger reicht ein einziger ETF. Kein Witz. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI ETF enthält über 3.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern. Breiter geht es kaum.
Die beiden populärsten Optionen:
Vanguard FTSE All-World
SPDR MSCI ACWI
- • ISIN: IE00B44Z5B48
- • TER: 0,12%
- • ~2.900 Aktien weltweit
- • Inkl. Schwellenländer (~11%)
Sparplan einrichten, laufen lassen, fertig. Kein Rebalancing nötig, keine Entscheidungen über Gewichtung. Wer gerade erst anfängt, sollte hier starten. Mehr dazu im Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.
2. Beliebte Portfolio-Varianten
Wer etwas mehr Kontrolle will, kann sein Portfolio auf mehrere ETFs aufteilen. Die bekanntesten Varianten:
70/30 (Industrieländer / Schwellenländer)
Der Klassiker in der deutschen ETF-Community. Gewichtet Schwellenländer stärker als ihre Marktkapitalisierung es vorsieht. Die Idee: China, Indien und Co. wachsen schneller, also mehr Gewicht. Ob das langfristig aufgeht, ist Glaubenssache.
1 ETF (All-World)
Marktkapitalisierungsgewichtet, keine manuelle Steuerung. Die simpelste Lösung, und historisch eine der besten. Wer sich nicht entscheiden kann, nimmt das hier.
60/20/20 (World / EM / Europa)
Reduziert den hohen US-Anteil des MSCI World (ca. 70%) durch eine Beimischung von Europa. Sinnvoll, wenn dich die US-Lastigkeit stört. Braucht aber regelmäßiges Rebalancing.
3. Gewichtung verstehen
Ein MSCI World ETF besteht zu rund 70% aus US-Aktien. Das liegt an der Marktkapitalisierung: Apple, Microsoft, Amazon und Co. sind einfach riesig. Ob das ein Problem ist, hängt von deiner Perspektive ab.
Das Argument dafür: Marktkapitalisierung spiegelt wider, was der Markt für wertvoll hält. Wer glaubt, dass die Märkte halbwegs effizient sind, braucht nichts umzugewichten.
Das Argument dagegen: 70% in einem einzigen Land ist ein Klumpenrisiko. US-Aktien waren in den letzten 15 Jahren dominant, aber das muss nicht so bleiben. Von 2000 bis 2010 haben europäische und Schwellenländer-Aktien die USA deutlich geschlagen.
Beide Seiten haben Recht. Wer sich nicht entscheiden kann: Ein All-World ETF nimmt dir die Entscheidung ab und folgt automatisch der Marktgewichtung.
4. Wann lohnen sich mehrere ETFs?
Mehrere ETFs sind kein Selbstzweck. Sie lohnen sich nur, wenn du einen konkreten Grund hast:
- Bewusste Regionengewichtung – Du willst mehr Schwellenländer oder Europa als der Markt vorgibt. Dann brauchst du separate ETFs, um die Anteile selbst zu steuern.
- Steueroptimierung – Einen ausschüttenden ETF beimischen, um den Sparerpauschbetrag auszuschöpfen. Ab ca. 50.000€ Depotvolumen kann das sinnvoll werden.
- Depotvolumen über 50.000€ – Bei kleineren Depots bringt die Aufteilung kaum messbaren Vorteil. Der Aufwand für Rebalancing steht nicht im Verhältnis.
Unter 50.000€ Depotvolumen: ein ETF reicht. Darüber kannst du anfangen, über Struktur nachzudenken.
5. Rebalancing
Wenn du mehrere ETFs hältst, verschieben sich die Anteile über die Zeit. Ein 70/30-Portfolio kann nach einem guten Jahr für Schwellenländer plötzlich 65/35 sein. Rebalancing bringt es zurück auf die Zielgewichtung.
Zwei Methoden:
Per Sparplan
Passe die Sparraten an, sodass der untergewichtete ETF mehr bekommt. Kein Verkauf nötig, keine Steuern. Die eleganteste Methode.
Per Verkauf und Kauf
Verkaufe vom übergewichteten ETF und kaufe den untergewichteten nach. Löst Steuern auf realisierte Gewinne aus. Nur sinnvoll bei großen Abweichungen.
Rebalancing einmal im Jahr reicht völlig aus. Manche machen es halbjährlich, aber öfter bringt keinen messbaren Vorteil. Bei einem 1-ETF-Portfolio entfällt dieser Punkt komplett.
6. Typische Fehler
- Zu viele ETFs – Fünf Themen-ETFs neben dem World-ETF machen dein Portfolio nicht diversifizierter. Die Überschneidungen sind riesig, der Verwaltungsaufwand steigt, und am Ende performst du schlechter als der simple Welt-ETF.
- Themen-ETFs als Kernposition – Clean Energy, AI, Cannabis, Wasserstoff: Alles spannende Themen, aber nichts für den Kern deines Portfolios. Diese ETFs sind volatiler, teurer (höhere TER) und oft schmal diversifiziert.
- Ständiges Umschichten – Jede Woche die Gewichtung ändern, weil gerade China boomt oder Europa schwächelt. Das ist kein Investieren, das ist Spekulieren. Und es kostet Steuern. Berechne die Auswirkung mit dem Steuerrechner.
- Home Bias – Viele deutsche Anleger übergewichten den DAX. Deutschland macht aber nur ca. 2,5% der globalen Marktkapitalisierung aus. Ein Welt-ETF gewichtet das automatisch richtig.
Häufige Fragen
Reicht ein ETF wirklich aus?
Ja, für die meisten Anleger. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI ETF enthält tausende Aktien aus über 40 Ländern. Breiter gestreut geht es kaum. Mehr ETFs bedeuten mehr Aufwand, aber nicht automatisch bessere Rendite.
Ist 70/30 besser als ein All-World ETF?
Nicht unbedingt. 70/30 gewichtet Schwellenländer bewusst höher als der Markt. Ob das langfristig mehr Rendite bringt, ist unklar. Der All-World ETF folgt der Marktkapitalisierung und ist einfacher zu verwalten.
Wie oft sollte ich rebalancen?
Einmal im Jahr reicht. Am besten über die Anpassung der Sparraten statt durch Verkauf, das vermeidet Steuern auf realisierte Gewinne.
Ab welchem Depotvolumen lohnen sich mehrere ETFs?
Als Faustregel ab ca. 50.000€. Darunter ist der Diversifikationseffekt durch zusätzliche ETFs minimal, der Verwaltungsaufwand aber spürbar.
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