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Nennwert vs Kurswert

Was der Unterschied zwischen Nennwert und Kurswert ist, warum er bei Anleihen entscheidend ist und wann er bei Aktien keine Rolle spielt.

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2026

1. Was ist der Nennwert?

Der Nennwert (auch Nominalwert oder Pariwert) ist der aufgedruckte Wert eines Wertpapiers. Bei Anleihen liegt er typischerweise bei 100€ oder 1.000€. Das ist der Betrag, den du am Ende der Laufzeit zurückbekommst.

Bei deutschen Aktien ist der Nennwert seit 1998 auf mindestens 1€ festgelegt. Früher stand er auf der Aktienurkunde gedruckt, zusammen mit hübschen Verzierungen und einem Firmenstempel. Heute ist er kaum mehr als ein Buchhaltungsposten.

Wichtig: Der Nennwert sagt nichts darüber aus, was ein Wertpapier tatsächlich wert ist. Er ist ein fester Referenzwert, der sich nicht verändert.

2. Was ist der Kurswert?

Der Kurswert ist der aktuelle Marktpreis eines Wertpapiers. Er wird an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt und ändert sich ständig.

Bei Aktien ist das der Preis, den du beim Kauf tatsächlich zahlst. Bei Anleihen wird der Kurswert in Prozent des Nennwerts angegeben. Eine Anleihe bei „98%“ kostet also 980€ bei einem Nennwert von 1.000€.

Der Kurswert kann über oder unter dem Nennwert liegen. Genau diese Differenz macht die Sache interessant.

3. Nennwert vs Kurswert bei Anleihen

Hier ist der Unterschied am wichtigsten. Eine Anleihe hat einen festen Kupon (Zinssatz), der sich auf den Nennwert bezieht. Wenn sich das Marktzinsniveau ändert, passt sich nicht der Kupon an, sondern der Kurs.

Unter dem Nennwert (Disagio): Eine Anleihe mit 2% Kupon, während der Markt 3% bietet, wird unter 100% gehandelt. Vielleicht bei 97%. Du kaufst also für 970€, bekommst aber am Ende der Laufzeit 1.000€ zurück. Das Disagio ist dein Zusatzgewinn.

Über dem Nennwert (Agio): Hat die Anleihe 4% Kupon und der Markt zahlt nur 2%, ist die Anleihe begehrt. Der Kurs steigt auf vielleicht 103%. Du zahlst 1.030€, bekommst aber trotzdem nur 1.000€ zurück. Das Agio ist der Preis für den höheren Zinsstrom.

Die Faustregel: Steigen die Marktzinsen über den Kupon, fällt der Kurs unter den Nennwert. Sinken die Marktzinsen unter den Kupon, steigt der Kurs über den Nennwert.

Am Fälligkeitstag bekommst du immer den vollen Nennwert zurück, egal ob du mehr oder weniger bezahlt hast. Die Rendite bis zur Fälligkeit hängt vom Kaufkurs ab. Berechne den Effekt mit dem Zinseszinsrechner.

4. Nennwert vs Kurswert bei Aktien

Bei Aktien ist der Nennwert weitgehend irrelevant. Er dient als rechnerischer Anteil am Grundkapital der Gesellschaft, mehr nicht.

Ein konkretes Beispiel: Die Deutsche Telekom hat einen Nennwert von 2,56€ pro Aktie, handelt aber an der Börse bei über 30€. Der Kurswert ist hier das Zwölffache des Nennwerts. Das ist völlig normal, denn der Kurs spiegelt die Ertragskraft des Unternehmens wider, nicht den Buchwert einer einzelnen Aktie.

Viele deutsche Unternehmen geben inzwischen nennwertlose Aktien (Stückaktien) aus. Dabei gibt es keinen festen Nennwert pro Aktie, jede Aktie repräsentiert einfach einen gleichen Anteil am Grundkapital. SAP, Siemens und die meisten DAX-Konzerne machen das so.

Der Kurswert einer Aktie hängt von Gewinnen, Wachstumsaussichten und Marktsentiment ab. Den Nennwert findest du höchstens noch in der Satzung der AG.

5. Warum ist das wichtig?

Für Anleihen-Anleger ist der Unterschied zentral. Kaufst du eine Staatsanleihe unter pari, machst du bei Fälligkeit einen zusätzlichen Kursgewinn. Kaufst du über pari, hast du einen Kursverlust, der die Zinszahlungen teilweise auffrisst. Ohne dieses Verständnis kaufst du blind.

Für Aktien-Anleger spielt der Nennwert im Alltag keine Rolle. Eine Ausnahme: Dividendenankündigungen beziehen sich manchmal auf den Nennwert (z.B. „50% Dividende auf den Nennwert“). Das klingt spektakulär, ist aber bei 1€ Nennwert nur 0,50€ pro Aktie.

Für ETF-Anleger ist der Nennwert nicht relevant. ETF-Anteile haben keinen Nennwert im klassischen Sinne. Hier zählt der NAV (Net Asset Value), also der rechnerische Wert basierend auf den enthaltenen Wertpapieren.

Wer sich tiefer in Finanzbegriffe einlesen will, findet im Finanzlexikon weitere Erklärungen.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn der Kurswert unter den Nennwert fällt?

Bei Anleihen ist das eine Chance: Du kaufst günstiger ein und bekommst bei Fälligkeit trotzdem den vollen Nennwert zurück. Die Differenz ist dein Kursgewinn. Bei Aktien kann ein Kurs unter Nennwert ein Warnsignal sein, hat aber keine direkte praktische Bedeutung. Der Nennwert ist bei Aktien kein Maßstab für den Unternehmenswert.

Hat ein ETF einen Nennwert?

Nein, ETF-Anteile haben keinen klassischen Nennwert. Der relevante Wert ist der NAV (Net Asset Value), also der rechnerische Wert eines Anteils basierend auf den enthaltenen Wertpapieren. Der NAV ändert sich täglich mit den Kursen der enthaltenen Titel.

Was bedeutet „unter pari“ und „über pari“?

„Pari“ bedeutet „zum Nennwert“, also bei 100%. „Unter pari“ heißt, die Anleihe handelt unter ihrem Nennwert (z.B. bei 97%). „Über pari“ bedeutet einen Kurs über dem Nennwert (z.B. bei 103%). Diese Begriffe werden fast ausschließlich im Anleihen-Kontext verwendet.

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Alle Inhalte dienen ausschließlich zu Informationszwecken — keine Anlageberatung.

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