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Nennwert vs Kurswert

Was der Unterschied zwischen Nennwert und Kurswert ist, warum er bei Anleihen entscheidend ist und wann er bei Aktien keine Rolle spielt.

Von Paul Springstein, aktualisiert am 25. April 2026

1. Was ist der Nennwert?

Der Nennwert (auch Nominalwert oder Pariwert) ist der aufgedruckte Wert eines Wertpapiers. Bei Anleihen liegt er typischerweise bei 100€ oder 1.000€. Das ist der Betrag, den du am Ende der Laufzeit zurückbekommst.

Bei deutschen Aktien ist der Nennwert seit 1998 auf mindestens 1€ festgelegt. Früher stand er auf der Aktienurkunde gedruckt, zusammen mit hübschen Verzierungen und einem Firmenstempel. Heute ist er kaum mehr als ein Buchhaltungsposten.

Kurze Geschichte

Der Nennwert stammt aus einer Zeit, in der Wertpapiere physische Urkunden waren. Auf diesen Papieren stand ein Betrag, der Nominalwert, der den Anteil am Grundkapital oder die Schuldsumme des Emittenten repräsentierte. Banknoten funktionieren ähnlich: Auf einem 50-Euro-Schein steht „50“, das ist sein Nennwert, auch wenn das Papier selbst nur Cent kostet.

Bei Aktien hat der Nennwert in Deutschland mehrere Reformen durchgemacht. Vor 1998 lag der Mindestnennwert bei 50 DM pro Aktie. Das Aktiengesetz von 1998 senkte ihn auf 1€ und führte gleichzeitig die Stückaktie ein, eine Aktie ganz ohne aufgedruckten Nennwert. Seitdem unterscheidet man:

Nennwertaktie

Aktie mit festem Nennwert (mind. 1€). Der Nennwert mal Anzahl der Aktien ergibt das Grundkapital. Beispiel: Deutsche Telekom, Nennwert 2,56€.

Stückaktie

Kein fester Nennwert aufgedruckt. Jede Aktie repräsentiert einen gleichen Anteil am Grundkapital. SAP, Siemens und die meisten DAX-Konzerne nutzen dieses Modell.

Wichtig: Der Nennwert sagt nichts darüber aus, was ein Wertpapier tatsächlich wert ist. Er ist ein fester Referenzwert, der sich nicht verändert.

Vorab: Warum Geld überhaupt einen Wert hat und nicht durch Gold gedeckt ist, erklärt der Ratgeber Wie Geld funktioniert.

2. Was ist der Kurswert?

Der Kurswert ist der aktuelle Marktpreis eines Wertpapiers. Er wird an der Börse durch Angebot und Nachfrage bestimmt und ändert sich ständig.

Bei Aktien ist das der Preis, den du beim Kauf tatsächlich zahlst. Bei Anleihen wird der Kurswert in Prozent des Nennwerts angegeben. Eine Anleihe bei „98%“ kostet also 980€ bei einem Nennwert von 1.000€.

Der Kurswert kann über oder unter dem Nennwert liegen. Genau diese Differenz macht die Sache interessant.

Bei Börsennotierungen siehst du den Kurswert als „Kurs“ oder „Preis“. Er enthält alle Erwartungen des Marktes: zukünftige Gewinne, Zinsentwicklung, Risiko. Beim Nennwert ist das alles irrelevant, er steht auf dem Papier und bleibt dort.

3. Der Unterschied auf einen Blick

Nennwert Kurswert
Definition Aufgedruckter/rechnerischer Wert Aktueller Marktpreis
Verändert sich? Nein, fest Ja, ständig
Bestimmt durch Emittent (Unternehmen/Staat) Angebot und Nachfrage
Bei Anleihen Rückzahlungsbetrag bei Fälligkeit Kaufpreis an der Börse
Bei Aktien Rechnerischer Anteil am Grundkapital Tatsächlicher Handelspreis
Praxisrelevanz Hoch bei Anleihen, gering bei Aktien Immer hoch

4. Nennwert vs Kurswert bei Anleihen

Hier ist der Unterschied am wichtigsten. Eine Anleihe hat einen festen Kupon (Zinssatz), der sich auf den Nennwert bezieht. Wenn sich das Marktzinsniveau ändert, passt sich nicht der Kupon an, sondern der Kurs.

Unter dem Nennwert (Disagio): Eine Anleihe mit 2% Kupon, während der Markt 3% bietet, wird unter 100% gehandelt. Vielleicht bei 97%. Du kaufst also für 970€, bekommst aber am Ende der Laufzeit 1.000€ zurück. Das Disagio ist dein Zusatzgewinn.

Über dem Nennwert (Agio): Hat die Anleihe 4% Kupon und der Markt zahlt nur 2%, ist die Anleihe begehrt. Der Kurs steigt auf vielleicht 103%. Du zahlst 1.030€, bekommst aber trotzdem nur 1.000€ zurück. Das Agio ist der Preis für den höheren Zinsstrom.

Die Faustregel: Steigen die Marktzinsen über den Kupon, fällt der Kurs unter den Nennwert. Sinken die Marktzinsen unter den Kupon, steigt der Kurs über den Nennwert.

Rechenbeispiel: Bundesanleihe kaufen

Du kaufst eine Bundesanleihe mit 5 Jahren Restlaufzeit. Nennwert 1.000€, Kupon 1,5%, aktueller Kurs 96,5%.

Kaufpreis (96,5% von 1.000€) 965,00€
Jährliche Zinszahlung (1,5% von 1.000€) 15,00€
Zinsen über 5 Jahre 75,00€
Rückzahlung bei Fälligkeit (Nennwert) 1.000,00€
Kursgewinn (1.000 − 965) 35,00€
Gesamtertrag (Zinsen + Kursgewinn) 110,00€

Die 110€ auf 965€ Einsatz über 5 Jahre entsprechen einer Rendite von ca. 2,2% pro Jahr. Deutlich mehr als der Kupon von 1,5% vermuten lässt, weil der Kurs unter dem Nennwert lag.

Am Fälligkeitstag bekommst du immer den vollen Nennwert zurück, egal ob du mehr oder weniger bezahlt hast. Die Rendite bis zur Fälligkeit hängt vom Kaufkurs ab. Mehr zum Thema im Ratgeber Staatsanleihen. Berechne den Effekt mit dem Zinseszinsrechner.

5. Nennwert vs Kurswert bei Aktien

Bei Aktien ist der Nennwert weitgehend irrelevant. Er dient als rechnerischer Anteil am Grundkapital der Gesellschaft, mehr nicht.

Ein paar Beispiele, wie weit Nennwert und Kurswert auseinanderliegen können:

Aktie Nennwert Kurswert (ca.) Faktor
Deutsche Telekom 2,56€ ~30€ ~12x
Allianz Stückaktie ~300€
SAP Stückaktie ~230€

Die Deutsche Telekom handelt beim Zwölffachen ihres Nennwerts. Das ist völlig normal, denn der Kurs spiegelt die Ertragskraft des Unternehmens wider, nicht den Buchwert einer einzelnen Aktie. Bei Stückaktien wie Allianz oder SAP gibt es nicht mal einen aufgedruckten Nennwert zum Vergleichen.

Trotzdem taucht der Nennwert gelegentlich auf:

  • Dividendenankündigungen – Manchmal formuliert als „50% Dividende auf den Nennwert“. Klingt spektakulär, ist aber bei 1€ Nennwert nur 0,50€ pro Aktie.
  • Kapitalerhöhungen – Neue Aktien werden mindestens zum Nennwert ausgegeben. Die Differenz zum tatsächlichen Ausgabepreis heißt Agio und fließt in die Kapitalrücklage.
  • Bilanzkennzahlen – Nennwert mal Aktienanzahl ergibt das gezeichnete Kapital in der Bilanz. Relevant für Buchhalter, nicht für Privatanleger.

Der Kurswert einer Aktie hängt von Gewinnen, Wachstumsaussichten und Marktsentiment ab. Den Nennwert findest du höchstens noch in der Satzung der AG.

6. Nennwert bei Fonds und ETFs

Kurze Antwort: gibt es nicht. ETF-Anteile und Investmentfondsanteile haben keinen Nennwert im klassischen Sinne.

Stattdessen gibt es den NAV (Net Asset Value), den rechnerischen Wert eines Fondsanteils. Der NAV ergibt sich aus dem Gesamtwert aller enthaltenen Wertpapiere geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Er ändert sich täglich mit den Kursen der enthaltenen Titel.

NAV-Berechnung (vereinfacht)

Fondsvermögen (alle Wertpapiere)500 Mio. €
Anzahl ausgegebener Anteile5 Mio. Stück
NAV pro Anteil100,00€

An der Börse kann der ETF-Kurs minimal vom NAV abweichen. Diese Abweichung heißt Premium (Kurs über NAV) oder Discount (Kurs unter NAV). Bei großen, liquiden ETFs beträgt die Abweichung meistens nur wenige Cent, weil Market Maker ständig dafür sorgen, dass Kurs und NAV nah beieinander bleiben.

Einen Nennwert, den du am Ende zurückbekommst wie bei einer Anleihe, gibt es bei ETFs nicht. Es gibt auch kein Fälligkeitsdatum. Du verkaufst zum aktuellen Kurswert, wann immer du willst.

Für ETF-Anleger ist der Nennwert daher kein Thema. Hier zählt nur der Kurs, zu dem du kaufst und verkaufst. Vergleiche ETFs im ETF-Vergleich.

7. Warum ist das wichtig?

Für Anleihen-Anleger ist der Unterschied zentral. Kaufst du eine Staatsanleihe unter pari, machst du bei Fälligkeit einen zusätzlichen Kursgewinn. Kaufst du über pari, hast du einen Kursverlust, der die Zinszahlungen teilweise auffrisst. Ohne dieses Verständnis kaufst du blind.

Für Aktien-Anleger spielt der Nennwert im Alltag keine Rolle. Eine Ausnahme: Wenn der Kurs einer Aktie unter ihren Nennwert fällt, kann das rechtlich relevant werden. Aktiengesellschaften dürfen keine neuen Aktien unter dem Nennwert ausgeben. In der Praxis kommt das bei stabilen Unternehmen nicht vor.

Wer sich tiefer in Finanzbegriffe einlesen will, findet im Finanzlexikon weitere Erklärungen.

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