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Wie eine Bank funktioniert

Banken nehmen dein Geld, verleihen es weiter und schaffen dabei neues Geld. Wie das Geschäftsmodell wirklich aussieht und warum dein Guthaben gar nicht im Tresor liegt.

Von Paul Springstein, aktualisiert am 25. April 2026

1. Die Grundidee einer Bank

Banken sind im Kern Geldhändler. Sie haben zwei Arten von Kunden: solche, die Geld loswerden wollen, und solche, die welches brauchen.

Die einen zahlen ein und bekommen dafür wenig oder gar keine Zinsen. Die anderen leihen sich Geld und zahlen dafür viel höhere Zinsen.

Die Differenz zwischen beidem ist die Zinsmarge. Daran verdient eine Bank den größten Teil ihres Geldes. Alles andere, also Konten, Karten, Überweisungen und Wertpapierdepots, ist Beiwerk und Kundengewinnung.

2. Was mit deinem Guthaben passiert

Die meisten Leute glauben, ihr Geld liegt physisch bei der Bank. Tut es nicht.

Wenn du 5.000 € auf dem Girokonto hast, bedeutet das: die Bank schuldet dir 5.000 €. Das Guthaben ist eine Forderung, kein Bargeld in einem Fach mit deinem Namen darauf.

Die Bank muss nur einen kleinen Teil aller Einlagen jederzeit auszahlen können. Den Rest hat sie längst weiterverliehen, als Kredite an andere Kunden, Hypotheken, Unternehmensdarlehen, oder in Wertpapiere investiert.

Das nennt sich Mindestreserve und liegt aktuell bei rund 1 % der Einlagen. 99 % deines Geldes arbeitet anderswo. Solange nicht alle Kunden gleichzeitig auszahlen wollen, fällt das nicht auf. Genau dieser Sonderfall ist ein Bank Run, und er ist der Grund, warum Banken bei Vertrauensverlust schnell kippen.

3. Wie Banken Geld schaffen

Hier wird es interessant. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, holt sie das Geld nicht aus einem Tresor. Sie schreibt es einfach dem Konto des Kunden gut.

Beispiel: du nimmst einen Kredit über 200.000 € für ein Haus auf. Die Bank tippt 200.000 € auf dein Girokonto. Damit existieren 200.000 € neues Buchgeld, die vorher nicht existierten.

Du überweist das Geld an den Verkäufer, der zahlt damit beim Notar, der zahlt seine Mitarbeiter, und das neu geschaffene Geld zirkuliert in der Wirtschaft. Sobald du den Kredit über die Jahre zurückzahlst, verschwindet das Geld wieder.

Die Zentralbank, in unserem Fall die EZB, regelt das, indem sie den Banken Mindestreserven, Eigenkapitalanforderungen und Zinsen vorgibt. Ohne diese Bremsen würden Banken theoretisch unbegrenzt Geld schöpfen. Mehr dazu im Ratgeber Wie Geld funktioniert.

4. Woran eine Bank verdient

Die Erträge kommen aus drei Töpfen:

ErtragsquelleAnteil typisch
Zinsmarge (Einlagen vs. Kredite)55–70 %
Provisionen (Konten, Karten, Wertpapiere)20–35 %
Eigenhandel und sonstige5–15 %

Der Klassiker ist die Zinsmarge. Bekommst du 1 % auf dein Tagesgeld und zahlt der Hauskäufer nebenan 4 % auf seinen Kredit, behält die Bank 3 Prozentpunkte. Skaliert über Milliarden Bilanzsumme summiert sich das.

Steigen die Leitzinsen wie 2022/23, freut sich die Bank: Kreditzinsen ziehen sofort an, die Zinsen für deine Einlagen erst zögerlich. Die Marge wächst. Der Grund, warum Bankaktien in Zinserhöhungsphasen oft gut laufen.

5. Wie sicher dein Geld bei der Bank ist

In Deutschland und der gesamten EU gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Sie schützt 100.000 € pro Person und pro Bank. Geht die Bank pleite, bekommst du diese Summe garantiert zurück, in der Regel innerhalb von sieben Arbeitstagen.

Wichtig: pro Bank, nicht pro Konto. Hast du bei derselben Bank Giro, Tagesgeld und Festgeld, gilt die Grenze einmal für die Summe. Verteilst du dasselbe Geld auf drei Banken, gelten dreimal 100.000 €.

Bei Gemeinschaftskonten gilt die Grenze pro Inhaber, also 200.000 €.

Viele deutsche Banken haben zusätzlich eine freiwillige Einlagensicherung über Bankenverbände, die deutlich höhere Beträge abdeckt. Verlassen würde ich mich darauf nicht, die freiwilligen Töpfe können geleert werden, der gesetzliche nicht. Wer mehr als 100.000 € hält, splittet besser auf mehrere Institute.

6. Welche Arten von Banken es gibt

In Deutschland sortiert sich der Markt grob in drei Gruppen:

  • Privatbanken: Deutsche Bank, Commerzbank, ING, Targobank. Aktienunternehmen, profitorientiert.
  • Sparkassen und Genossenschaftsbanken: öffentlich-rechtlich oder im Besitz der Mitglieder. Lokal verankert, regionales Geschäft.
  • Direkt- und Neobanken: ING, DKB, Comdirect, N26, Trade Republic. Keine Filialen, alles online, deutlich günstiger.

Für die meisten Privatkunden ist eine Direktbank oder ein Neobroker heute die effizienteste Wahl. Konten oft kostenlos, höhere Tagesgeldzinsen, schlanke Prozesse. Vergleich aktueller Tagesgeldangebote: Tagesgeld-Vergleich.

Alle Inhalte dienen ausschließlich zu Informationszwecken — keine Anlageberatung.

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