Depot übertragen: So wechselst du den Broker
Depotübertrag kostenlos, gesetzlich geregelt, trotzdem nervig. Hier steht, was wirklich passiert, wie lange es dauert und worauf du achten musst.
Zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2026
1. Warum Depot wechseln?
Der häufigste Grund: Kosten. Wer vor Jahren ein Depot bei einer Direktbank eröffnet hat und dort 1,50€ pro Sparplanausführung zahlt, verschenkt Geld. Bei Neobrokern kosten Sparpläne nichts.
Andere Gründe: Die ETF-Auswahl passt nicht mehr, die App ist furchtbar, oder du willst deine Depots konsolidieren. Alles an einem Ort ist übersichtlicher als drei verschiedene Broker-Logins.
Was viele nicht wissen: Du musst nicht alles übertragen. Einzelne Positionen zu verschieben geht genauso. Praktisch, wenn du nur bestimmte ETFs beim neuen Broker haben willst.
2. So läuft der Übertrag ab
Der Antrag läuft immer über den neuen Broker. Du sagst dem neuen, wo deine Wertpapiere liegen, und der kümmert sich um den Rest. Du musst beim alten Broker nichts kündigen oder beantragen.
Neues Depot eröffnen
Falls noch nicht vorhanden. Video-Ident dauert 5 Minuten, Depot ist meist am selben Tag aktiv.
Übertrag beantragen
In der App oder im Online-Banking des neuen Brokers. Du brauchst die Depotnummer und BIC deines alten Brokers. Manche bieten ein Formular, andere erledigen das komplett digital.
Warten
Der langweiligste Teil. Die Banken regeln den Papierverkehr untereinander. Du kannst in der Zwischenzeit nicht über die übertragenen Wertpapiere verfügen.
Anschaffungsdaten prüfen
Nach dem Übertrag: Kontrolliere Kaufkurse und Kaufdaten. Fehler passieren selten, aber wenn, dann hier.
Wichtig: Freistellungsaufträge werden nicht mitübertragen. Du musst beim neuen Broker einen neuen einrichten und den alten anpassen. Mehr dazu im Ratgeber Freistellungsauftrag.
3. Wie lange dauert es?
Gesetzlich muss der abgebende Broker innerhalb von drei Wochen liefern. In der Praxis:
| Übertrag-Art | Typische Dauer |
|---|---|
| Neobroker → Neobroker | 1–2 Wochen |
| Direktbank → Neobroker | 2–3 Wochen |
| Filialbank → Neobroker | 3–4 Wochen |
| Mit Gläubigerwechsel (Gemeinschaftsdepot) | 4–6 Wochen |
Filialbanken sind fast immer langsamer. Nicht aus technischen Gründen, sondern weil der Prozess dort teilweise noch manuell läuft. Wenn es länger als drei Wochen dauert, schriftlich nachhaken. Das hilft.
4. Kosten und Steuern
Ein Depotübertrag innerhalb Deutschlands ist kostenlos. Der BGH hat 2004 entschieden, dass der abgebende Broker keine Gebühren verlangen darf. Manche Banken versuchen es trotzdem über Umwege, aber das ist rechtlich nicht haltbar.
Steuern fallen nicht an. Beim Übertrag auf dein eigenes Depot (ohne Gläubigerwechsel) werden die Anschaffungsdaten einfach mitgenommen. Kaufkurs, Kaufdatum, alles bleibt erhalten. Kein Verkauf, keine Steuer.
Vorsicht bei Depotüberträgen an andere Personen. Wenn du Wertpapiere an deinen Partner oder dein Kind überträgst, kann das als Schenkung oder Verkauf gewertet werden. In dem Fall fallen möglicherweise Steuern an.
Was sich ändern kann: der Freistellungsauftrag. Der gilt pro Bank, nicht pro Depot. Du musst ihn nach dem Übertrag neu aufteilen. Berechne deinen optimalen Split im Ratgeber Sparerpauschbetrag.
5. Typische Probleme
- Bruchstücke – ETF-Bruchstücke (0,7 Anteile zum Beispiel) können nicht übertragen werden. Sie müssen beim alten Broker verkauft werden. Nicht schlimm, aber gut zu wissen.
- Falsche Anschaffungsdaten – Kommt vor, besonders bei älteren Beständen. Prüfe nach dem Übertrag die Einstandskurse. Wenn sie fehlen oder falsch sind, reklamiere sofort beim neuen Broker.
- Laufende Sparpläne – Sparpläne werden nicht mitübertragen. Du musst sie beim neuen Broker neu einrichten und beim alten löschen. Am besten vor dem Übertrag erledigen, sonst kaufst du doppelt.
- ETF nicht handelbar – Manche ETFs sind beim neuen Broker nicht verfügbar. Der Übertrag funktioniert trotzdem, du kannst sie dort nur nicht nachkaufen. Verkaufen geht meistens. Vorher prüfen spart Ärger.
- Verlustverrechnungstöpfe – Diese werden nicht automatisch mitübertragen. Beantrage die Übertragung separat, sonst bleiben angesammelte Verluste beim alten Broker liegen.
6. Checkliste vor dem Übertrag
- ✓ Neues Depot eröffnet und verifiziert
- ✓ Depotnummer und BIC des alten Brokers bereitgelegt
- ✓ Sparpläne beim alten Broker gestoppt
- ✓ Neue Sparpläne beim neuen Broker eingerichtet
- ✓ Bruchstücke beim alten Broker verkauft
- ✓ Freistellungsauftrag beim neuen Broker eingerichtet
- ✓ Verlustverrechnungstöpfe Übertragung beantragt
- ✓ Nach Übertrag: Anschaffungsdaten kontrolliert
Vergleiche Broker im Broker-Vergleich oder lies den detaillierten Neobroker-Vergleich.
Häufige Fragen
Kostet ein Depotübertrag etwas?
Nein. Innerhalb Deutschlands ist der Depotübertrag kostenlos. Der abgebende Broker darf keine Gebühren verlangen.
Muss ich beim Übertrag Steuern zahlen?
Nicht bei einem Übertrag auf dein eigenes Depot. Die Anschaffungsdaten werden mitgenommen. Bei Übertrag an andere Personen kann es steuerlich relevant werden.
Kann ich einzelne Positionen übertragen?
Ja. Du musst nicht das ganze Depot übertragen. Im Antrag wählst du aus, welche Wertpapiere zum neuen Broker sollen.
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