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Freistellungsauftrag richtig einrichten

Ohne Freistellungsauftrag zahlst du Steuern ab dem ersten Euro Kapitalertrag. So richtest du ihn ein, teilst ihn auf und vermeidest typische Fehler.

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2026

1. Was ist ein Freistellungsauftrag?

Ein Freistellungsauftrag ist eine Anweisung an deine Bank oder deinen Broker, Kapitalerträge bis zu einem bestimmten Betrag steuerfrei zu lassen. Ohne diesen Auftrag führt die Bank automatisch Abgeltungssteuer auf jeden einzelnen Euro Gewinn ab.

Du erteilst den Auftrag direkt bei deiner Bank. Das dauert zwei Minuten und spart dir im besten Fall über 260€ Steuern pro Jahr.

Technisch gesehen weist du die Bank an, den sogenannten Sparerpauschbetrag zu berücksichtigen, bevor sie Steuern einbehält. Mehr zu den Steuergrundlagen findest du im Ratgeber Steuern auf Kapitalerträge.

2. Sparerpauschbetrag 2026

Der Sparerpauschbetrag ist dein jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge:

1.000€

Einzelperson

2.000€

Ehepaar / eingetragene Lebenspartnerschaft

Kapitalerträge unterhalb dieses Betrags sind komplett steuerfrei. Erst ab dem 1.001. Euro greift die Abgeltungssteuer mit rund 26,4%.

Das klingt nach wenig, aber bei 1.000€ Freibetrag sparst du jährlich ca. 264€ Steuern. Über 10 Jahre sind das über 2.600€, die stattdessen für dich arbeiten. Berechne den Effekt mit dem Zinseszinsrechner.

3. Freistellungsauftrag einrichten

Bei den meisten Banken und Brokern geht das in wenigen Klicks:

1

Einstellungen öffnen

Im Online-Banking oder in der App unter „Steuern“ oder „Freistellungsauftrag“ suchen.

2

Betrag festlegen

Trage den gewünschten Freistellungsbetrag ein. Hast du nur ein Depot, nimm die vollen 1.000€.

3

Steuer-ID angeben

Seit 2011 ist die Steueridentifikationsnummer Pflicht. Du findest sie auf deinem Steuerbescheid.

4

Bestätigen

Je nach Bank per TAN, Unterschrift oder einfach per Klick. Der Auftrag gilt ab sofort und unbefristet.

Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital ist der Freistellungsauftrag direkt in der App hinterlegt, meist unter Einstellungen → Steuern. Vergleiche Broker im Broker-Vergleich.

4. Auf mehrere Banken aufteilen

Hast du Konten und Depots bei verschiedenen Banken, kannst du den Freibetrag frei aufteilen. Ein Beispiel:

Bank Produkt Freistellungsbetrag
Trade Republic ETF-Depot 600€
ING Tagesgeldkonto 300€
Consorsbank Festgeld 100€
Summe 1.000€

Wichtig: Die Summe aller Freistellungsaufträge darf 1.000€ (bzw. 2.000€ bei Ehepaaren) nicht überschreiten. Das Finanzamt gleicht die Daten ab, und Überschreitungen fallen auf.

Als Faustregel: Vergib den größten Anteil an die Bank, bei der du die höchsten Erträge erwartest. Wenn du nur ein Depot hast, trag einfach die vollen 1.000€ dort ein.

5. Was passiert ohne Freistellungsauftrag?

Die Bank behält Abgeltungssteuer auf sämtliche Kapitalerträge ein, ab dem ersten Euro. Bei 500€ Dividenden wären das rund 132€ Steuern, die du eigentlich nicht zahlen müsstest.

Du kannst das Geld zwar über die Steuererklärung zurückholen (Anlage KAP). Aber das dauert Monate, und in der Zwischenzeit fehlt dir das Geld zum Reinvestieren.

Berechne mit dem Steuerrechner, wie viel Abgeltungssteuer auf deine Erträge anfällt.

6. Häufige Fehler

  • Gar keinen Freistellungsauftrag eingerichtet – Passiert öfter als man denkt, besonders bei neuen Depots. Prüfe jedes Konto, bei dem du Kapitalerträge erzielst.
  • Summe über 1.000€ – Wer bei drei Banken jeweils 500€ freigestellt hat, liegt bei 1.500€. Das Finanzamt korrigiert das und fordert Steuern nach.
  • Vergessene Altkonten – Das Tagesgeldkonto von vor fünf Jahren hat vielleicht noch 200€ Freistellungsauftrag. Dieses Volumen fehlt dann beim neuen Depot.
  • Keine Anpassung nach Depotauflösung – Wenn du ein Depot schließt, wird der Freistellungsauftrag dort nicht automatisch zu einer anderen Bank übertragen.
  • Ehepaar-Freibetrag falsch genutzt – Gemeinsame Freistellungsaufträge funktionieren nur bei Gemeinschaftskonten. Bei Einzelkonten muss jeder Partner seinen eigenen erteilen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Freistellungsauftrag 2026?

1.000€ pro Person, 2.000€ pro Ehepaar. Der Betrag gilt seit 2023 und hat sich für 2026 nicht geändert.

Kann ich den Freistellungsauftrag rückwirkend einrichten?

Ja, innerhalb des laufenden Kalenderjahres. Die Bank erstattet bereits einbehaltene Steuern bis zur Freistellungshöhe. Für vergangene Jahre geht das nur über die Steuererklärung.

Was passiert, wenn ich zu viel freistelle?

Das Finanzamt gleicht die Daten über die Steuer-ID ab. Du erhältst einen Steuerbescheid und musst die Differenz nachzahlen. In der Regel gibt es keine Strafe, aber es kostet Zeit und Nerven.

Brauche ich für jedes Konto einen eigenen Freistellungsauftrag?

Ja. Jede Bank oder jeder Broker braucht einen separaten Auftrag. Die Summe aller Aufträge darf deinen Pauschbetrag nicht übersteigen.

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