Kinderdepot: Früh investieren für den Nachwuchs
Ein ETF-Sparplan auf den Namen deines Kindes nutzt den eigenen Freibetrag, läuft jahrelang steuerfrei und baut echtes Startkapital auf. So richtest du es ein.
Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2026
1. Warum ein Kinderdepot?
25€ im Monat, 18 Jahre lang, bei 7% Rendite: knapp 12.000€. Davon sind nur 5.400€ eingezahlt. Der Rest ist Zinseszins. Das ist das stärkste Argument für ein Kinderdepot, der Zeithorizont ist absurd lang und arbeitet komplett für dich.
Ein Kinderdepot läuft auf den Namen des Kindes. Das Geld gehört rechtlich dem Kind, nicht den Eltern. Du verwaltest es als gesetzlicher Vertreter, bis das Kind volljährig wird.
Führerschein, erstes Auto, Auslandssemester, Kaution für die erste Wohnung. Es gibt genug Dinge, für die 10.000–15.000€ zum 18. Geburtstag extrem praktisch sind.
2. Steuervorteile
Der eigentliche Clou: Jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000€ pro Jahr. Dazu kommt der Grundfreibetrag von 11.784€ (2026). Zusammen mit der Sonderausgabenpauschale sind das über 12.800€ an steuerfreien Einkünften pro Jahr.
In der Praxis heißt das: Ein Kinderdepot mit 50.000€ könnte komplett steuerfrei verkauft werden, solange der Gewinn unter diesen Freibeträgen bleibt. Dafür muss das Kind eine eigene Steuererklärung abgeben, die sogenannte NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungsbescheinigung) macht es einfacher.
NV-Bescheinigung
Beantragst du beim Finanzamt. Damit bestätigt das Finanzamt, dass dein Kind voraussichtlich keine Einkommensteuer zahlen muss. Der Broker behält dann gar keine Abgeltungssteuer ein, auch nicht über den Sparerpauschbetrag hinaus. Gültig für drei Jahre, dann neu beantragen.
Richte trotzdem einen Freistellungsauftrag über 1.000€ beim Broker ein. Falls du die NV-Bescheinigung nicht beantragst, greift wenigstens der Pauschbetrag automatisch.
3. Depot eröffnen
Nicht jeder Broker bietet Kinderdepots an. Bei Neobrokern sieht es dünn aus. Die gängigsten Optionen:
ING
BeliebtJunior Depot mit kostenlosen ETF-Sparplänen ab 1€. Eröffnung komplett online, Geburtsurkunde muss hochgeladen werden. Breite ETF-Auswahl.
Consorsbank
GutJunior Depot mit vielen kostenlosen Sparplänen. Eröffnung online möglich. Solide Auswahl, ähnlich wie ING.
Comdirect
GutJuniorDepot mit kostenlosen Top-Preis ETF-Sparplänen. Gehört zur Commerzbank, solide Infrastruktur.
Was du brauchst: Geburtsurkunde des Kindes, Ausweise beider Elternteile (bei gemeinsamen Sorgerecht müssen beide unterschreiben), Steuer-ID des Kindes.
Die Steuer-ID bekommt dein Kind automatisch nach der Geburt per Post. Wenn du sie nicht mehr findest: beim Bundeszentralamt für Steuern online neu anfordern.
4. Welchen ETF?
Beim Kinderdepot gilt dasselbe wie beim eigenen: ein breit gestreuter Welt-ETF reicht. Der Anlagehorizont ist 18 Jahre, da braucht man keine exotischen Beimischungen.
| ETF | TER | Variante |
|---|---|---|
| Vanguard FTSE All-World (A2PKXG) | 0,22% | Thesaurierend |
| iShares Core MSCI World (A0RPWH) | 0,20% | Thesaurierend |
| SPDR MSCI ACWI IMI (A1JJTD) | 0,17% | Thesaurierend |
Thesaurierend ist bei einem Kinderdepot sinnvoller als ausschüttend. Die Erträge werden automatisch reinvestiert, du musst dich um nichts kümmern, und der Zinseszinseffekt läuft ungebremst.
Mehr zur ETF-Auswahl im Ratgeber ETF-Portfolio aufbauen. Vergleiche ETFs im ETF-Vergleich.
5. Rechenbeispiel
Was kommt raus, wenn du zur Geburt anfängst und 18 Jahre durchhältst?
| Sparrate | Eingezahlt | Bei 5% p.a. | Bei 7% p.a. |
|---|---|---|---|
| 25€/Monat | 5.400€ | 8.700€ | 11.800€ |
| 50€/Monat | 10.800€ | 17.400€ | 23.600€ |
| 100€/Monat | 21.600€ | 34.800€ | 47.200€ |
| 200€/Monat | 43.200€ | 69.600€ | 94.400€ |
Selbst 25€ im Monat werden zu über 11.000€. Das ist mehr als doppelt so viel wie eingezahlt. Berechne dein eigenes Szenario mit dem Sparplanrechner.
6. Fallstricke
- Geld gehört dem Kind – Das ist der wichtigste Punkt. Ab 18 kann dein Kind frei über das Depot verfügen. Du kannst es nicht zurückholen. Wenn du die Kontrolle behalten willst, spar auf deinem eigenen Depot und verschenke später.
- BAföG-Falle – Vermögen über 15.000€ auf den Namen des Kindes wird auf den BAföG-Anspruch angerechnet. Bei großen Depots kann das zum Problem werden. Überleg dir vorher, ob BAföG realistisch ist.
- Familienversicherung – Kapitalerträge über 6.060€ pro Jahr (2026) können dazu führen, dass dein Kind aus der kostenlosen Familienversicherung der Krankenkasse fliegt. Bei normalen Sparplänen unrealistisch, bei Einmalzahlungen oder großen Depots relevant.
- Beide Eltern müssen zustimmen – Bei gemeinsamem Sorgerecht braucht der Broker die Unterschrift beider Elternteile. Das gilt auch für Verkaufsorders aus dem Kinderdepot.
- Kein Neobroker – Trade Republic, Scalable Capital und Co. bieten aktuell keine Kinderdepots an. Du brauchst eine Direktbank (ING, Consorsbank, Comdirect).
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ich ein Kinderdepot eröffnen?
Ab Geburt. Sobald dein Kind eine Steuer-ID hat (kommt automatisch per Post), kannst du das Depot eröffnen.
Was passiert mit dem Depot, wenn mein Kind 18 wird?
Das Depot geht vollständig in die Verfügungsgewalt deines Kindes über. Es kann frei verkaufen, umschichten oder weiter besparen. Du hast keinen Zugriff mehr.
Ist ein Kinderdepot steuerfrei?
Nicht automatisch, aber praktisch oft ja. Mit Sparerpauschbetrag (1.000€) und NV-Bescheinigung (bei geringem Einkommen) bleiben die meisten Kinderdepots komplett steuerfrei.
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