Altersvorsorgedepot: Die neue staatlich geförderte Altersvorsorge
Das Altersvorsorgedepot ersetzt Riester ab 2027 und lässt dich in ETFs investieren, steuerbefreit während der Ansparphase. Hier steht alles, was du wissen musst: Zulagen, Steuern, optimale Sparrate und was mit deinem Riester-Vertrag passiert.
Zuletzt aktualisiert: 31. März 2026
1. Was ist das Altersvorsorgedepot?
Am 27. März 2026 hat der Bundestag das Altersvorsorgedepot beschlossen. Es ist der Nachfolger der Riester-Rente und geht am 1. Januar 2027 an den Start, sofern der Bundesrat am 24. April 2026 zustimmt.
Die Grundidee: Du investierst monatlich in ein spezielles Depot, der Staat legt über Zulagen und Steuervorteile drauf. Das Geld fließt in ETFs und Fonds statt in klassische Versicherungsprodukte. Keine Beitragsgarantie, dafür echte Kapitalmarktrendite.
Genau das hat Riester kaputt gemacht. Die Beitragsgarantie zwang Anbieter, extrem konservativ und teuer zu investieren. Das Altersvorsorgedepot verzichtet bewusst darauf. Langfristiges Wachstum am Aktienmarkt statt garantierte Mittelmäßigkeit.
Überblick
2. Steuern: Ansparphase und Auszahlung
Die Steuerregeln sind der größte Vorteil des Altersvorsorgedepots. Während der Ansparphase zahlst du auf Gewinne im Depot keine Steuern. Weder Abgeltungssteuer noch Vorabpauschale oder Soli. Dein gesamtes Kapital bleibt investiert und arbeitet für dich.
Ansparphase (steuerfrei)
- Keine Abgeltungssteuer auf Dividenden und Kursgewinne
- Keine Vorabpauschale
- Fondswechsel innerhalb des Depots sind steuerfrei
- Beiträge bis 1.800€ als Sonderausgaben absetzbar (oder Zulagen)
Auszahlungsphase (nachgelagert besteuert)
- Entnahmen werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert
- Die komplette Auszahlung wird besteuert, nicht nur die Gewinne
- Auszahlung frühestens ab 62 Jahren
Klingt erst mal nach einem schlechten Deal. Ist es aber nicht. Dein Steuersatz im Alter ist fast immer niedriger als während des Berufslebens. Du schiebst die Steuer in eine Phase, in der du weniger zahlst.
Rechenbeispiel: Steuereffekt
30 Jahre Ansparphase, 150€/Monat, 7% Rendite p.a.:
Vereinfachte Rechnung. Tatsächlicher Vorteil hängt von deinem Steuersatz im Alter ab. Berechne dein Szenario mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner.
Zulagen oder Sonderausgabenabzug?
Das Finanzamt führt automatisch eine Günstigerprüfung durch. Wenn der Sonderausgabenabzug dir mehr bringt als die Zulagen, bekommst du den Abzug stattdessen. Das lohnt sich vor allem bei höheren Einkommen. Du musst dich nicht selbst entscheiden.
3. Zulagen und Förderung
Die Förderung funktioniert über ein gestaffeltes Zulagensystem. Je mehr du einzahlst, desto mehr legt der Staat drauf, bis zur Obergrenze von 540€ pro Jahr.
| Eigenbeitrag | Zuschuss | Zulage |
|---|---|---|
| Erste 360€/Jahr | 50% | bis 180€ |
| 361 bis 1.800€/Jahr | 25% | bis 360€ |
| Gesamt | bis 540€/Jahr |
Zusätzliche Zulagen
| Zulage | Betrag | Bedingung |
|---|---|---|
| Kinderzulage | 300€/Kind/Jahr | Mind. 25€/Monat einzahlen |
| Berufseinsteigerbonus | 200€ (einmalig) | Unter 25 Jahre |
Für Familien ist die Kinderzulage besonders relevant. Schon mit 25€ im Monat pro Elternteil sicherst du 300€ pro Kind. Bei zwei Kindern sind das 600€ extra, nur durch den Mindestbeitrag.
4. Optimale monatliche Sparrate
150€ im Monat. Das sind 1.800€ im Jahr, und damit schöpfst du die komplette Grundzulage von 540€ aus. Weniger verschenkt Förderung, mehr bringt keine zusätzlichen Zulagen.
| Sparrate | Eigenbeitrag/Jahr | Zulage/Jahr | Effektive Förderquote |
|---|---|---|---|
| 30€/Monat | 360€ | 180€ | 50,0% |
| 75€/Monat | 900€ | 315€ | 35,0% |
| 150€/Monat | 1.800€ | 540€ | 30,0% |
| 300€/Monat | 3.600€ | 540€ | 15,0% |
| 570€/Monat | 6.840€ | 540€ | 7,9% |
150€ ist der Sweet Spot. Die Förderquote ist mit 30% noch hoch, und du nimmst die volle Grundzulage mit. Ab 150€ gibt es keinen zusätzlichen Zuschuss mehr.
Trotzdem kann es sich lohnen, mehr einzuzahlen. Das Maximum liegt bei 570€ im Monat (6.840€/Jahr). Alles bis dahin wächst steuerfrei. Das ist ein echter Vorteil gegenüber einem normalen Depot, wo du Vorabpauschale und später Abgeltungssteuer zahlst.
Empfehlung nach Situation
Berechne dein individuelles Szenario mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner.
5. Was passiert mit Riester?
Riester ist ab 2027 für Neuabschlüsse geschlossen. Neue Verträge und Zulagen gibt es nicht mehr. Das Altersvorsorgedepot übernimmt komplett.
| Riester (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) | |
|---|---|---|
| Beitragsgarantie | Ja (100%) | Nein |
| Max. Förderbeitrag | 2.100€/Jahr | 1.800€ (gefördert), 6.840€ (gesamt) |
| Grundzulage | 175€/Jahr | bis 540€/Jahr |
| Kinderzulage | 300€/Kind | 300€/Kind |
| Anlage in ETFs | Eingeschränkt | Ja, breit möglich |
| Kosten | Oft 1,5-2,5% p.a. | Max. 1,0% (Referenzprodukt) |
| Selbstständige | Nur indirekt (Ehepartner) | Ja, direkt förderfähig |
Bestehende Riester-Verträge
- Voller Bestandsschutz: Laufende Verträge gelten weiter unter den alten Regeln
- Wechsel zum Altersvorsorgedepot möglich, ohne Zulagen zurückzuzahlen
- Du kannst nicht gleichzeitig Riester und Altersvorsorgedepot gefördert besparen
Ob ein Wechsel lohnt, hängt vom bestehenden Vertrag ab. Teure Riester-Versicherungen mit 2%+ Kosten? Wechseln. Günstiger Fondssparplan, der gut läuft? Kann sich lohnen zu behalten. Vergleich die jährlichen Kosten.
6. Welche ETFs sind erlaubt?
Im Altersvorsorgedepot darfst du in ETFs, Fonds und Anleihen investieren, solange sie in die SRRI-Risikoklassen 1 bis 5 fallen. Die meisten gängigen Welt-ETFs erfüllen das.
| ETF | TER | SRRI |
|---|---|---|
| Vanguard FTSE All-World (A2PKXG) | 0,22% | 5 |
| iShares Core MSCI World (A0RPWH) | 0,20% | 5 |
| SPDR MSCI ACWI IMI (A1JJTD) | 0,17% | 5 |
| Xtrackers Global Government Bond (DBX0AL) | 0,20% | 3 |
Nicht erlaubt: Einzelaktien, Zertifikate und Krypto. Bewusste Einschränkung, damit die Altersvorsorge breit diversifiziert bleibt.
Voraussichtlich wird es ein staatliches Referenzprodukt über den KENFO geben, mit maximal 1,0% Effektivkosten pro Jahr. Ein FTSE All-World kommt auf 0,22%, liegt also deutlich darunter.
Vergleiche ETFs im ETF-Vergleich oder lies den Ratgeber ETF-Portfolio aufbauen.
7. Frühstarterrente für Kinder
Parallel zum Altersvorsorgedepot kommt die Frühstarterrente. Der Staat zahlt 10€ pro Monat in ein Altersvorsorgekonto für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren. Ohne eigene Einzahlung, komplett vom Staat finanziert.
Frühstarterrente im Überblick
12 Jahre lang 10€/Monat bei 7% Rendite ergeben rund 2.600€. Wenig? Ja, auf den ersten Blick. Aber dieses Kapital hat dann noch 40+ Jahre bis zur Rente. Bei 7% werden aus 2.600€ über 40 Jahre rund 39.000€. Steuerfrei.
Ab 18 kann dein Kind das Depot als Altersvorsorgedepot weiterbesparen und eigene Beiträge einzahlen. Die Frühstarterrente legt also die Basis, die eigene Vorsorge baut darauf auf. Mehr zum Thema frühes Investieren für Kinder im Ratgeber Kinderdepot.
8. Auszahlungsoptionen
Anders als bei Riester bist du bei der Auszahlung flexibler. Es gibt drei Möglichkeiten:
Lebenslange Leibrente
Monatliche Rente bis zum Lebensende. Optional mit Garantiezeit von 10 oder 20 Jahren, damit im Todesfall die Familie weiterbezahlt wird.
Befristeter Entnahmeplan
Du entnimmst regelmäßig Geld bis mindestens Alter 85. Das Restkapital bleibt investiert und arbeitet weiter für dich.
Teilweise Einmalzahlung
Bis zu 30% des Kapitals als Einmalzahlung zu Beginn der Rentenphase. Der Rest fließt in Rente oder Entnahmeplan.
Wichtig: Wenn die monatliche Rente unter ca. 59€ liegen würde (Kleinbetragsregelung), darfst du das gesamte Kapital auf einmal entnehmen. Berechne deine Rentenlücke, um zu sehen, wie viel du privat vorsorgen solltest.
9. Kritik und offene Fragen
Ein großer Schritt, aber nicht ohne Haken.
- Kein Kapitalschutz. Ohne Beitragsgarantie kannst du Geld verlieren. Bei 20+ Jahren Anlagehorizont ist das Risiko statistisch gering, aber wer kurz vor der Rente in einen Crash läuft, hat ein Problem.
- Volle Auszahlung wird besteuert. Nicht nur die Gewinne, sondern der komplette Betrag. Bei hohen Auszahlungen kann das den Steuervorteil aus der Ansparphase spürbar schmälern.
- Finanzbildung nötig. Wer nicht weiß, welchen ETF er wählen soll, steht vor einer Hürde. Das staatliche Referenzprodukt soll das lösen, Details fehlen aber noch.
- Bundesrat-Zustimmung ausstehend. Der Bundesrat stimmt voraussichtlich am 24. April 2026 ab. Bis dahin ist das Gesetz nicht endgültig.
- Kostendeckel nur fürs Referenzprodukt. Die 1,0% Grenze gilt für das staatliche Standardprodukt. Private Anbieter können teurer sein.
Häufige Fragen
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für mich?
Wenn du in Deutschland steuerpflichtig bist und langfristig in ETFs investieren willst: ja. Die Kombination aus Zulagen, Sonderausgabenabzug und steuerfreiem Wachstum ist für die meisten Anleger attraktiver als ein normales Depot. Besonders bei niedrigen bis mittleren Einkommen sind die Zulagen überproportional wertvoll.
Kann ich das Altersvorsorgedepot vorzeitig auflösen?
Ja, aber dann musst du die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das Geld ist grundsätzlich bis zum Alter von 62 Jahren gebunden. Eine vorzeitige Auflösung ist möglich, lohnt sich aber fast nie.
Soll ich meinen Riester-Vertrag wechseln?
Bei teuren Riester-Versicherungen mit Kosten über 1,5% pro Jahr lohnt sich der Wechsel in der Regel. Bei günstigen Fondssparplänen mit guter Wertentwicklung kann Behalten die bessere Wahl sein. Vergleiche die laufenden Kosten deines Riester-Vertrags mit den erwarteten Kosten im Altersvorsorgedepot.
Was ist der Unterschied zum normalen ETF-Sparplan?
Im normalen Depot zahlst du jährlich Vorabpauschale und beim Verkauf Abgeltungssteuer (26,375%). Im Altersvorsorgedepot wächst alles steuerfrei, dafür wird bei Auszahlung der volle Betrag mit deinem Einkommensteuersatz besteuert. Außerdem bekommst du Zulagen und kannst Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Dein Geld ist allerdings bis 62 gebunden.
Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?
Ja, das ist neu. Selbstständige und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke sind erstmals direkt förderfähig. Bei Riester war das nur über den Ehepartner möglich.
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